“Mir gefällt das Konzept, dass ich nichts bin, und deshalb kann ich alles sein, Künstlerin, Ärztin, Pianistin, was auch immer. Wenn ich das Gefühl habe, diese oder jene Arbeit sei jetzt richtig, dann folge ich dem, bis die Idee Blut, Knochen und Fleisch bekommen hat und damit vollendet ist.”
2023 – 2024 enstand die Serie der Bilder „Die Befreiung. Schritt 1“. Alle Bilder der Serie entstanden in einer Zeit des Wandels, als ich die Entscheidung traf, meine Tätigkeit als Psychiaterin vollständig aufzugeben und mich ganz der Kunst zu widmen. Mit diesem Entschluss verließ ich die breiten, sicher erscheinenden Straßen des vorgezeichneten Lebenswegs – und wandte mich dem Unbekannten zu.
Dieses Unbekannte, ist das ureigene Wesen – eingeschlossen in Schichten aus Erfahrungen und Prägungen der eigenen Entwicklung – das unaufhörlich nach Befreiung drängt. Indem diese Hüllen sichtbar werden, verlieren sie ihre Macht. Was bislang unhörbar war, beginnt zu sprechen.
Befreiung – sie ist für mich wie die Stille eines vergehenden Tages. Ein flüchtiger Moment, in dem die Gegenwart zur Vergangenheit wird. Es ist eine Beobachtung – oder im Falle der Befreiung: eine Entscheidung. Eine Beobachtung, oder – besser gesagt – ein Innehalten, in dem alle Stimmen und Geräusche für einen Augenblick verstummen. Und wenn diese Stille einmal da ist, gibt es keinen Weg zurück.
Niemand kann uns diese Stille des vergehenden Tages nehmen. Denn jeder trägt die eigene in sich.
So verstehe ich Befreiung. Wie sie konkret aussieht, kann ich nicht allgemein beantworten. Ich kann nur meine eigene Suche danach zeigen.
2024 – 2025 entstand die Serie „Scharade“. Ich habe ich mir folgende Frage gestellt: Wenn mein Leben ein Buch wäre, wie würde es heißen? „Die unendliche Suche“, sagte ich damals zu Gambetti.
Was man sieht, ist nicht, was man sucht.
Scharade – ist ein „Gesellschaftsspiel, bei dem aus einer pantomimischen Darstellung ein Wort erraten werden soll“. Unter Scharade kann auch eine Heuchelei oder eine Täuschung verstanden werden.
Die Bedeutungen dieses Namens verbinden all die Werke wie ein roter Faden.
Ein Spiel: Wer spielt hier mit wem? Wer entlarvt, wer verhüllt? Oder ist es vielleicht ein Spiegel oder nur eine Fassade? Doch hinter jeder Fassade steckt auch ein Fragment Wahrheit.
Mit diesem Werk will ich einen neuen Raum öffnen. Einen Raum, den ich nicht erklären, sondern nur andeuten kann. Die Themen der Bilder bewegen sich zwischen Inszenierung und Offenbarung, zwischen Farbe und Bedeutung, zwischen Salzigem und Warmem. Ein tagtägliches Ritual der Täuschung. Wie können Sie sich sicher sein, dass Ihre Wahrnehmung Sie nicht täuscht? Wo beginnt die Lüge, und wo endet die Offenbarung? Wo beginnt die Offenbarung und endet die Lüge? Die Schichten sind zahllos und das Spiel ist nie zu Ende.
Die Bilder dieser Serie sind keine Geschichten. Sie sind Fragen. Eine Einladung, tiefer zu blicken – gerne mit einem Augenzwinkern. Denn wer zu tief hinschaut, verliert die Leichtigkeit. Wer aber zu leicht bleibt, verpasst die Tiefe.
Eine Scharade fordert heraus. Sie lässt sich nicht fassen. Sie lebt von der Spannung zwischen dem, was wir sehen und dem, was wir nicht sehen wollen. Ein Akt der Befreiung – und gleichzeitig eine Falle.
Im August 2025 habe ich angefangen, an der neuen Serie zu arbeiten. 4 Bilder aus dieser Serie sind gerade im Westfach zu sehen.
Die Dame mit dem Hündchen (Dama s sobachkoj) 2025 120 x 120 cm Acryl auf Leinwand
Meine Stützen 2025 120 x 120 cm Eitempera und Acryl auf Leinwand
Juni 2025 50 x 40 cm Eitempera und Acryl auf Leinwand
November 2025 40 x 50 cm Eitempera und Acryl auf Leinwand





